Carolin Gärtner sitzt an der Nähmaschine und näht

Wie mir das Nähen hilft, von der Arbeit abzuschalten

Eines meiner liebsten Hobbies ist das Nähen. Ich liebe es, mir meine eigene Kleidung zu nähen. Das hat für mich gleich mehrere Vorteile: ich kann damit gut abschalten und habe viel mehr Kleidung, die mir passt und die mir gefällt – ganz unabhängig von der Mode.

Nähen hat mich schon in meiner Kindheit begleitet

Als kleines Kind bin ich mit dem Nähen aufgewachsen. Meine Mutter hat damals immer wieder VHS-Nähkurse besucht und sowohl sich selbst als auch uns Kinder benäht. Häufig kamen da auch tolle Sachen heraus, die ich gerne angezogen habe.

Allerdings erinnere ich mich noch heute mit Schrecken an einen fliederfarbenen Blazer. Meine Mutter hat sehr viel Zeit und Liebe investiert – und ich habe ihn gehasst. Heute weiß ich das Teil sehr zu schätzen – auch wennn ich es immer noch nicht anziehen würde. Aber ich weiß, wie viel Arbeit so ein Blazer ist. Allerdings habe ich wohl schon damals instinktiv gewusst, dass mir weder die Farbe Flieder noch Blazer stehen.

Doch weil meine Mutter so viel Zeit an der Nähmaschine verbrachte, wollte auch ich das immer wieder ausprobieren. So habe ich schon mit zwölf oder dreizehn immer wieder gerne selbst an der Nähmaschine gesessen.

Angefangen habe ich mit Stoff-Haargummis. Dann haben meine Barbie-Puppen Schlauchkleider bekommen. Beides war damals gerade extrem modern. Und die Schlauchkleider ließen sich super leicht aus den Resten von Bündchenstoff nähen. Später habe ich aber auch ein richtig aufwändiges Barbie-Ballkleid aus der Burda genäht.

Mein erster Nähkurs

Meine Nähleidenschaft ist nach einer Weile wieder eingeschlafen. Ich habe dann viele Jahre nicht mehr genäht. Nach meinem Studium ist meine Leidenschaft aber langsam wieder erwacht. Ich habe mir eine alte Nähmaschine bei Ebay ersteigert und wieder flott gemacht.

Damals sind wir in eine neue Wohnung gezogen und brauchten einen Vorhang im Badezimmer. Danach waren meine ersten Versuche, mit Hilfe einer Burda-Zeitung tragbare Kleidung zu nähen, allerdings nicht sehr erfolgreich. Deshalb stand die Maschine dann wieder eine Weile ungenutzt herum.

Ich habe zwar immer mit einem Nähkurs geliebäugelt, habe mich aber nie wirklich angemeldet. Dazu kam es erst, als wir uns in unserer Guggenmusik, bei der mein Mann und ich zu dieser Zeit aktiv waren, für ein komplett neues Kostüm entschieden haben. Ich wollte das gerne selbst machen. Denn erstens war das ein guter Grund, um den Kurs in der örtlichen Schneiderei vor meinem Mann zu rechtfertigen. Und zweitens ist ein solches Kostüm richtig teuer, wenn man es sich nähen lässt.

Dem einen Kurs folgten noch viele weitere. Ich habe mich endlich an aufwändigere Kleidung getraut. Und vor allem habe ich seitdem auch vorzeigbare Ergebnisse. Das Nähen hat mich danach nie mehr losgelassen.

Nähen ist mein Yoga

Nichts hilft mir mehr, von meiner Arbeit und den Strapazen des Alltags abzuschalten, wie das Nähen. Nähen hat für mich etwas Meditatives. Wenn ich an meiner Nähmaschine sitze, dann vergesse ich sehr oft die Zeit und merke erst, wie spät es ist, wenn mir beinahe die Augen zufallen.

Beim Nähen gibt es viele Dinge, die ich nahezu automatisch mache – egal, ob das lange gerade Nähte an der Nähmaschine sind, oder ob ich zum Versäubern mit der Overlock einmal um ein Schnittteil herum rattere. Selbst das Auftrennen finde ich entspannend – zumindest sobald der erste Ärger über den Fehler verflogen ist.

Langweilig wird mir bei solchen automatischen Handgriffen aber ganz und gar nicht. Denn oft kommen mir genau dabei die besten Ideen für ganz andere Bereiche, zum Beispiel für berufliche Probleme. Und genau deshalb versuche ich mir immer zwischendurch Zeit für’s Nähen zu nehmen. Auch wenn ich eigentlich gerade keine habe.

Ich habe mehr Kleidung im Kleiderschrank, die mir wirklich gefällt und steht

Seit ich meine Kleider selbst nähe, achte ich viel mehr auf meinen Stil. Denn wenn ich mir ein Kleidungsstück nähe, kann ich es vorher nicht anprobieren. Ich muss also vorher schon wissen, ob es zu mir passt, wenn ich keine bösen Überraschungen erleben möchte.

Viel zu oft habe ich in der Vergangenheit Dinge genäht, die mir hinterher überhaupt nicht an mir gefallen haben. An dem Model auf dem Bild zum Schnittmuster sah der Schnitt aber doch so toll aus. Klar, das ist mir natürlich auch beim Shoppen oft passiert. Aber da hänge ich das Kleidungsstück eben einfach wieder weg.

Wenn ich jedoch viel Zeit in ein selbstgenähtes Kleidungsstück steckt, ist es wirklich frustrierend, wenn ich es nachher gar nicht trage. Eine ganze Zeit lang hat mich das davon abgehalten, aufwändigere Sachen zu nähen.

Ich habe mich deshalb viel damit beschäftigt, was wirklich zu mir passt. Eine große Hilfe war mir dabei der Näh deinen Stil Club von Elle Puls. Dort habe ich gelernt, besser zu verstehen, welche Farben an mir gut aussehen, und welche nicht. Aber auch welche Kleidungsstücke stilistisch gut zu mir passen und welche nicht. Inzwischen kommt es nur noch selten vor, dass mir ein selbstgenähtes Teil später gar nicht an mir gefällt.

Und das hat auch zur Folge, dass ich viel weniger Zeit für das Shoppen von Kleidung brauche, als früher. Ich sehe meist auf den ersten Blick, wo die passenden Farben hängen. Das schließt einen Großteil der Kleidungsstücke direkt aus. Und die meisten anderen hänge ich auch sofort wieder zurück, weil ich schon sehe, dass sie nicht meinem Stil entsprechen. Dadurch ist die Anzahl der Teile, die ich anprobieren muss, extrem gesunken.

Meine Kleidung passt mir viel besser

Wenn ich meine Kleidung selbst nähe, bin ich in der Lage, sie an die Besonderheiten meines Körpers anzupassen. Ich habe zum Beispiel ein ziemlich ausgeprägtes Hohlkreuz. Vor allem bei Hosen habe ich in aller Regel ein Problem mit der Passform.

Natürlich ist das auch mit selbstgenähten Hosen ein Problem, wenn ich sie genau nach Schnittmuster nähe. Denn auch die Schnittmuster sind nach Konfektionsmaßen erstellt. Ich habe mich aber inzwischen viel damit beschäftigt, wie ich ein Hosenschnittmuster ändern muss, dass es mit dem Hohlkreuz trotzdem passt.

Solche selbstgenähten Hosen passen mir dann auch bedeutend besser, als gekaufte. Deshalb kaufe ich Hosen wirklich nicht mehr gerne. Der Anteil an selbstgenähten Hosen nimmt immer mehr zu.

Neben Hosen habe ich auch noch ein paar weitere Passformprobleme mit Konfektionskleidung, z. B. eine ziemlich gerade Schulter oder eine relativ kleine Oberweite im Vergleich zum Brustkorb. Es warten also noch einige Passform-Optimierungen auf mich. Aber ich liebe solche Herausforderungen – mir wird sicher noch lange nicht langweilig werden.

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